Subjekt Prädikat Werb

Ich warte. Ich habe den Betrag ausgewählt und meine Pin eingegeben und … nun soll ich mir ganz in Ruhe  die eingeblendete Werbung durchlesen. Ob die Wartezeit an die jeweilige Werbung angepasst ist? Ich schaffe es jedenfalls genau, auch das Kleingedruckte am Sternchen zu lesen, bevor der Automat mir das Geld auswirft. Ob der Betreiber weiß, dass das Kostbarste, was ich besitze, meine Zeit ist? Ich zahle 4 Euro Gebühr, weil ich mein Konto nicht bei dieser Kasse habe und 2 Minuten meines Lebens. Der erste Betrag wird großzügig abgefragt, ob ich trotzdem … der zweite wird nicht infrage gestellt. Ist es aus unserem Bewusstsein gerutscht, dass die Uhr abläuft? STOP, nicht ganz. Die Werbung eines Sportartikelherstellers lässt hoffen „die Zeit ist fast abgelaufen“. Nach- und vorgedacht – wenn man die Atempause einlegt. In meiner jetzigen Situation bin ich geneigt, mir die zwei Minuten in irgendeiner Form wiederbeschaffen zu wollen, indem ich a) rücksichtslos das Geschwindigkeitslimit missachte, b) jemand anderem seine Zeit klaue, c) mir mein Mittagessen nur lauwarm zubereite, d) meine Nächstenliebe um 2 Minuten reduziere, e) … „Ich glaube, der Reinkarnationsrechner ist infiziert“ bringt es Herr Dau auf den Punkt. Besser, ich distanziere mich. Ich möchte nicht mein Karma aufs Spiel setzen. Das Karussell fährt ohne mich weiter. Ob dem Werbenden klar ist, dass sein Sparkassenautomateninserat in mir ein Negativkonto aufmacht, dass mir für alle Zeit verbietet, ihm, was auch immer abzukaufen. Schließlich musste ich ihm ja schon 2 Minuten schenken. Hausieren um jeden Preis ist nicht immer ein gutes Geschäft. Ich frage mich ob derselbe nicht auch eine auf Krankenhausbettenfußenden angebrachte Werbung angebracht fände. Die wäre nach einer Woche Aufenthalt so richtig schön implantiert. „Meine Mutter hat mich Mercedes genannt, weil im Kreißsaal …“ – na, sie wissen schon. Ich bin wirklich dankbar, dass ich beim Zahnarzt auf einen Palmenstrand schauen darf, während ein schwarzes Loch meine halbes Haupt verschlingt. Betäubende Einsicht. Werbe nicht in unbequemen Lagen. Ich nehme den Betrag in Empfang. An dieser Stelle scheint mir statt Werbung ein Goethe angebracht „Verweile doch! Du bist so schön!“