Die kleine Unruhe

Manchmal zwickt sie dich und dann rennst du wie angestochen los. Ich schau dir zu, ganz in Ruhe. Von links nach scharf links und dann quer zum Strich zur Tür und Retour. Du fummelst im Küchenschrank, zerrst an der Decke, knusperst am Kabel, pflückst am Läufer, hinterlässt eine Pfütze, trittst sie breit, schnüffelst an einer Fluse, zupfst an meinem Hosenbein, fegst zum Kühlschrank, saugst durch die Dielenritzen, zwickst mich in die Ferse und da renne ich auch schon los. Zur Küchenrolle und mit ihr zur Pfütze. In einer Hand das Kabel, in derselben die Reste vom Läufer dich an meinem Hosenbein. Wir rasen gemeinsam zur Tür. Du schaffst es nicht bist raus. Hmm. Ich sammle dich und uns und ziehe die Reißleine. Spüle und klemme dir die Nase in der Klotür. Wir halten kurz inne.  A t m e n !  Du gähnst und legst dich in dein Körbchen. Fein. Jetzt hab ich sie am Hacken. Sie tickt. Was mach ich denn jetzt mit ihr? Die kleine Unruhe lässt sich nicht einfach abschütteln. Vielleicht stecke ich sie in den Kühlschrank. Vielleicht erstarrt sie da. Vielleicht auch nicht. Jetzt brummt sie. Gut, so geht‘s nicht. Wenn ich könnte, würde ich sie in Strahlung umwandeln. Dann könnte ich die Lichter löschen und in Ruhe ein Buch lesen. Leider bin ich keine Leuchte, was das angeht, sie brummt weiter. Ich könnte sie dir zurückschenken aber das wäre ein ewiger Kreislauf. Also wohin damit? Ich könnte sie in Bewegung umsetzen aber ich sitze gerade so schön bequem. Vielleicht bewege ich nur meine Hände oder meinen Geist. Wäre sinnvoll, geht aber ins Leere. In der Unruhe liegt tatsächlich keine Kraft. Sie tickt einfach nur oder brummt. Du schnarchst inzwischen. Sehr schön. Aber was mache ich mit der fiesen kleinen Unruhe? Ich versuche sie auszusitzen. Aber sie brummt wie tausend Hummeln. Sie klopft. Jetzt klopft sie auch noch. Was will sie denn bloß? Ich öffne die Tür. Mutti!!!. Ha!!! Ich zwicke sie in die Wange vor Freude und schon hab ich die Unruhe weg. Prima.