Küchenrolle

Die Pfanne an der Wand – ein matter Spiegel meiner Ungerührtheit. Vielleicht bin ich noch zu verschlafen oder endlich einsichtig. Meine Augen liefern mir jedenfalls ein unbekannt klares Panorama. Sogar der Balken integriert sich unauffällig ins Gesamtbild. Schafft geradewegs eine Überleitung. Das Kabel der Lampe verwildert in den Luftraum. Rankt sich um eine Kette aus Ungewissheiten. Die Obstschale verwächst sich ins Überreife. Meine Küche lebt eine Art Stillleben. Eine leichte Patina liegt über allem wie ein mattes Dressing. Alles in Ordnung, kein Grund zu handeln. Es geht kein Druck aus von der Zitronenpresse. Die Zitronen selbst sonnen sich genüsslich in ihrem gelb. Süß sehen sie aus wie sie da so lümmeln neben den faulen Trauben (blau) und einem vertrocknenden Granatapfel. Ein halber Handschuh verstrickt sich zwischen morschem Ingwer und einem irrwitziges Lineal. Irgendwie vermessen. Doch auch nicht maßlos. Es hat genau da seinen Platz. Der Grund verschwindet in einem Krümelmeer. Seine Wellen vermischen sich genüsslich plätschernd mit denen der Morgensonne. Es scheint alles fein aufeinander abgestimmt. Von Meisterhand angeordnet und ausgeleuchtet. Ein paar Sonnenstrahlen eruptieren auf der kalten Herdplatte. Ein Topflappen gibt sich etwas läppisch verkohlt. War er doch einmal schwer enflammt. Dazumal. Omas Zuckerdose hält sich bedeckt neben einem Kaffeefleckpollock. Die im Staub erstickte Kerze wirft einen zarten Schatten auf ein Stiftemikado und verzettelt sich am Ende. Nichts hier wartet auf irgendetwas. Eine Klopapierrolle auf dem Kühldeck lässt sich friedlich gehen. Die weiße Flagge rührt sich leicht, als ginge ich zu weit, als machte ich zuviel Aufhebens um die Krümel am Boden. Und sie liegt richtig. Alles hier liegt genau richtig. Eine Einsicht, die klarer nicht sein könnte. Wenn alles am rechten Fleck ist, dann bin ich es wohl auch.