Wahlgang

„Oh schön, du hast den Weg entkrautet.“ Hmm, ich hatte das Gefühl, wenigstens eine klare Linie in dieser Verwirrung hier zu brauchen. Aber ich seh grade, es führt zu nichts. „Doch, schau mal, jetzt kann ich hier wieder mit meinem Rollwagen lang fahren. Und nasse Füße gibt’s auch nicht mehr.“ Dafür kalte. Ich empfinde diese Ordnung eher als Störung. Sie ist irgendwie maßlos. Sie verlangt nach mehr. „Ich wollt’s vorhin schon sagen: Das ist ein Anfang. Von da aus kannst du dich nach links und rechts vorwagen.“ Rollwagen, vorwagen, Wagenknecht … die Pyramiden von Gysi! „Hättest du schon eher …, dann wäre vielleicht sogar die Wahlbenachrichtigung in deinen Kasten gelangt. Mit dem Postwagen!“ Und? „Dann hättest du wählen können.“ Kann ich doch jetzt auch. Links oder rechts oder Mitte. Ist nur meiner Ansicht nach ein bisschen wenig Auswahl, wenn alles Weitere nicht zur Debatte steht. „Irgendwie maßlos dein Verlangen, oder?“ Ich dachte, eine gerade Linie wäre wegweisend. Aber dieser Weg hier ist eben keine Rolltreppe. Er beschränkt die Auswahl auf nur eine Ebene. Und da will ich nicht hin, da bin ich schon. „Könnte es sein dass dir da zu viel wollen im Weg steht …“ Hat Wahl nicht immer was mit Wollen zu tun? „Wählen schon, die Wahl haben nicht. Du wirst den Weg, den freigelegten, also nicht gehen?“ Ich komm ja aber auch nicht drumherum. Vielleicht lasse ich erst etwas Gras darüber wachsen.

wortwahl_dna