Schlammassel

Ich bin ein Schwamm und ich bin 10.000 Jahre alt. Ich dämmere am Grund des Meeres. Ich wiege mich mit der Tiefsee. Es zieht sich. Gähnende Leere. Es zieht sich. Auftauchen liegt nicht in meiner Natur. Schwamm drüber. Eine Assel asselt sich durch die Fuge meiner Fliesen. Immer schön die Rille entlang. Immer mit der Ruhe. An der Kreuzung entscheidet sie sich nach kurzem Zögern für geradeaus. Keine schlechte Wahl – wie ich von meinem Hochsitz aus sehe: links ist gesperrt durch einen großen Fussel und rechts ein Geröll aus Staub und Krümeln. Ja, das Krümelmonster wohnt bei mir … na und Freund Fussel ist gern zu Besuch da. Nichts, worüber man stolpern müsste. Wie man sieht, gibt es einen Weg. Ich bezweifle, dass die Assel da einen genauen Überblick hat. Kurz bezweifle ich sogar, dass Asseln Augen haben. Haben sie aber. Sowie eine gute Intuition, scheint‘s. Insgesamt ist sie mir sehr sympathisch. Sie geht ihren Weg und meinen ebenso. Weiter hinten verflacht sich die Fuge in eine Wüste aus Platten. Karge Landschaft. Die Assel nimmt eine gewagte Abkürzung über das Plateau und verschwindet dann wieder im moosigen Canyon. Ich tauche ab, angenehm kühl hier – eben noch Schwamm bin ich jetzt eben Assel. In meiner Vorstellung kann ich mir Beine machen (12 zusätzliche) und Kiemen. Fühlt sich an wie – ja Qualia – muss man eben selbst gefühlt haben. Meine Welt auf ihre reduziert – nun mal nicht so hohherrschaftlich Frau Mensch, die Assel haben wir selbst in die Klasse höhere Krebse eingegliedert – sagen wir: um ihre bereichert. Das Zusammenrollen gelingt wie im Schlaf. Nur an den Augen könnte ich noch arbeiten. Bisschen beschwerlich mit den großen Kullern. Die nehmen auch immer alles sehr genau. Dabei kann niemand mit mir darüber in Zwist sein, wie es ist, Assel zu sein. Es bleibt schwammig. Jeder kann asseln wie er mag. Von mir aus auch krebsen, fugen, fliesen, sich ein- und ausrollen, eine Wanne einsauen, dieselbe blank ziehen oder sich ins Hemd machen. Über Kunst und Asseln kann man nicht streiten.