Gästebrett

Da hat sich doch eine Libelle zu mir verirrt. Hach, so eine schöne zarte elegante farbenprächtige … sie sonnt sich auf dem Fensterbrett. Schaut rein und raus, schaut mich an. Ich nicke. Sie schnurrt. Schnarrt. Etwas mechanisch, finde ich. Irgendwie unpassend. Hier oder im Allgemeinen. Ich lasse sie sitzen und summe weiter. Eins und eins … schnarrrr … das erscheint mir nicht ganz lupenrein. Zoom. Ihre Flügel sind feinstes Netzwerk. Eine Transparenz die keine Frage offen lässt. Ich glaube ihr. Was spricht dagegen? SCHNARRR. Das. Mein Mikroskop rasselt mit den Linsen vor Freude. Auseinandernehmen! Ich weiß nicht recht. Sie sonnt sich hier gemütlich und ja sie schnarrt. Sie beobachtet mich mit ihren Facettenaugen. SCHNARRR … Oder sind das Kameras? RASSEL … BRUMM … ein Hirschkäfer fliegt vorbei. Eiert. Das mächtige Gehörn macht’s ihm nicht leicht. Eleganz würde ich das nicht nennen. Vielleicht eher Evoquenz. Die Konsequenz einer evolutionären Entwicklung kandiert mit gegorenem Humor. Der arme Kerl. Ja, der aufrechte Flug – aber zu welchem Preis. SCHNARRR … RASSEL … Der Mensch mit seinem Gehörn bewegt sich oft nicht weniger evoquent. Und ich meine nicht unbedingt die Motorik. Der riesige unausgegorene Denkapparat – eine Behinderung, die als solche (weil bei jedem Menschen einliegend) nicht als eine erscheint. Es eiert. Wenn natürlich ein Eierndes auf ein anderes Eierndes schaut, wird’s speziös (das Hörn lernt immer wieder gern mal was neues) wieder rund und der aufrechte Gang zu den anonymen Evoquenten zum Schwank. Schöner Scherz. Wein, Weib und Gesang. Aber er fliegt doch, könnte man sagen. Noch … könnte man auch. Tragik der Schöpfung. Es entwickelt sich eben nicht immer zum Geschenk. Was die Evolution auf weite Sicht plant? Humor hat sie ja. SCHNARRR … Sie hebt ab. Bezaubernd diese Leichtigkeit und diese Wendigkeit und flugs weg … SCHNARRRRR … Was? Ah so. Ich Hörni. Das Brett ist lose. Da kann man ja nur hoffen, dass es bald abfällt.